In-Vitro Fleisch – Steak aus dem Labor

Die älteren Semester erinnern sich vielleicht noch an den Filmklassiker „Brust oder Keule“ von Louis de Funes, in dem ein Fabrikbesitzer künstliche Lebensmittel herstellt und damit den Markt überflutet. Was damals noch wie eine Mischung aus lustiger Komödie und Science Fiction erschien, dürfte mit der Erfindung des In-Vitro Fleisches schon lange Realität geworden zu sein.

Kuh PortraitchemieFoto: Mario Caruso

Wie ich gerade auf Welt Online lese, haben es US-Forscher jetzt geschafft, Rindfleisch aus Zellen zu züchten. Der erste Schinken soll bereits im Herbst der Öffentlichkeit präsentiert werden (nicht zu verwechseln mit dem Gel-Schinken). Mir ist beim lesen der Herstellung, das abendliche Dessert-Schnitzel fast wieder hochgekommen:

Gezeugt aus den embryonalen Muskelzellen eines Truthahns, in Form gebracht mit Rinderserum und genährt mit Chitosan, dem Schalenextrakt von Krustentieren.

Als In-Vitro Fleisch bezeichnet man Tierfleisch, dass nie Teil eines ganzen, lebendigen Lebewesens war. Stattdessen vermischt man einzelne Muskelzellen mit Porteinen, die die Zellen in größere Stücke Fleisch wachsen lassen. Bis heute waren die Herstellungskosten noch zu hoch, als dass In-Vitro-Fleisch eine Alternative zu herkömmlichen Produkten darstellen konnte. Aber dies scheint sich nun zu ändern. Bald könnte das Laborfleisch in großen Mengen zum gleichen Preis wie Hühnerfleisch hergestellt werden. Ein weiteres Problem ist derzeit noch die Konsistenz, die sich mit der Struktur des Naturprodukts noch nicht vergleichen lässt. Nur eine Frage der Zeit und dieses Detail wird auch gelöst.

Bei all dem Ekel den das Thema bei mir auslöst, ist allerdings auch nicht abzustreiten, dass die Menschheit angesichts Bevölkerungswachstums und Klimawandel massive Probleme haben wird, den wachsenden Fleischbedarf mit den herkömmlichen Zucht-Methoden zu befriedigen. Und seien wir doch mal ehrlich: Wer sich näher mit der Massentierhaltung und den Transportwegen auseinandersetzt, bekommt beim Frühstücks-Steak schon arge Schluckbeschwerden.

transporterFoto: bradleygee

Dementsprechend überrascht es nicht, dass die Tierschutz-Organisation PETA seit einigen Jahren die Forschung und Entwicklung von In-Vitra Fleisch finanziell unterstützt. Angesichts der objektive schlagenden Argumente für Laborfleisch und andererseits meinem nicht gänzlich unterdrückbaren Brechreizes, zeigt sich mein persönliches Dilemma: Denn wie kann ich guten Gewissens eine Technologie verdammen, die unter Umständen die Ernährung zukünftiger Generationen sichern und eine Ökologische Katastrophe verhindern könnte? Oder sollte ich mich vielleicht schon mal an die neue Welt gewöhnen und bei der Ernährung auf Chicken Nuggets umsteigen?

3 Kommentare

  1. Pingback: Shit Burger – Fleisch aus Kot | Von Entrecote und Rumpsteak bis zum Schweinefilet

  2. Der verlinkte Schinken IST ABER NICHT in vitro, sondern ein ganz normaler Schicken. (Ein SEO-Schinken, der den Leser irre führt!)

  3. Pingback: Clean Meat - Erstes Hühnerfleisch aus dem Labor - mettsalat

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